Bodenkartierung
Vortrag am Mittwoch, den 16. März 2011 um 14.00 Uhr in Raum 204/ Haus II
Willer, J., Baritz, R. (BGR), Jahn, R. (Martin Luther Universität Halle Wittenberg): Projekt SIAM - Einsatz digitaler Kartiermethoden in der Bodenübersichtskartierung (BÜK 200)
Ziel des von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe initiierten "Soil Inference and Mapping"-Projekts SIAM ist die Entwicklung eines auf deutschlandweit einheitlich verfügbaren Daten aufsetzenden Bodenlandschaftsmodells als Unterstützung der Erstellung des BÜK 200-Kartenwerks, einschließlich der Harmonisierung der Daten über Landes- oder Blattschnittgrenzen hinweg und Füllung von Lücken in der Flächendatenbank. Für bisher lückenhaft kartierte Gebiete sollen Bodenprognosekarten die Kartierung unterstützen.
Das Modell wird in gut kartierten Pilotgebieten Boden(groß)landschaftsspezifisch wie folgt entwickelt:
- Bewertung der verfügbaren Geobasisdaten (Relief, Geologie, Landnutzung, Klima, Hydrographie) sowie der Daten der Bodenkartierung
- Analyse ihrer Beziehungen zur Bodenverbreitung (Entscheidungsbaum-, Varianzanalysen, Flächenstatistiken)
- Bewertung und ggf. expertenbasierte Modifizierung der gefundenen Beziehungen im Sinne von Toposequenzen
- Abgrenzung von Legendeneinheiten für den Übersichtsmaßstab
- Bodenkundliche Beschreibung der Einheiten auf Basis der Kartierdaten
Ergebnisse für das BÜK 200 Blatt Köln zeigen, dass die gewählte Datengrundlage (insbesondere Relief, stratifiziert nach geologischen Großeinheiten) die systematische Prognose wichtiger Legendeneinheiten für den Übersichtsmaßstab erlaubt und so ein blattschnittfreies Grundgerüst für die Übersichtskarte entsteht, das die einheitliche Aggregierung von Kartierdaten auch bei unterschiedlicher Datenausgangslage unterstützt. Das Verfahren wird derzeit als Werkzeug zur Konzeptkartenerstellung weiter verfeinert und soll die bestehenden Methoden zur Datenabstimmung im Gesamtkartenwerk BÜK 200 ergänzen.
BOCK, M. (scilands GmbH Göttingen / Physische Geographie Universität Hamburg): Modellierung von Grundwasserflurabständen für die Bodenkartierung
Das vorgestellte Verfahren zur Schätzung der Tiefenlage hydromorpher Bodeneigenschaften, die durch Grundwasser bedingt sind, ist ein Modell, das auf die Bereitstellung von digitalen Daten zur Flächendatenbank des Fachinformationssystem Boden der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (FISBo BGR) zielt. Es soll darüber hinaus der Bodenkartierung für die Maßstäbe 1 : 50.000 bis 1 : 200.000 dienen.
Im Modell wird postuliert, dass der vertikale Abstand einer Position zum Vorfluter mit der Ausprägung von hydromorphen Bodeneigenschaften im Zusammenhang steht. Es benutzt als Eingangsdaten ein digitales Fließgewässernetz, ein Digitales Geländemodell (DGM) und Grundwassermesspunkte, die als Datum das langjährige Mittel, den langjährigen mittleren Hoch- und Tiefstand der Tiefenlage des bodennahen Grundwassers enthalten.
Als Testgebiete wurden mehrere Gebiete im Tieflandsteil des norddeutschen Bundeslandes Niedersachsen gewählt. Nach umfangreichen Vorprozessierungsschritten konnte mit einem einfachen Regressionsmodell mit dem Reliefparameter baselevel aus dem SAGA Modul "vertical distance to channel network" ein plausibles Datum zum Mittleren Grundwasserflurabstand erzielt werden.
Im Vergleich zu Grundwassergleichenplänen einer hydrogeologischen Kartierung kann mit dem Modell ein differenzierter Verlauf der Oberfläche von Grundwassermerkmalen erzielt werden, Schwächen bei bestimmten Datenkonstellationen bleiben jedoch bestehen.
In einem Ausblick werden weitere Entwicklungsschritte, die zur Verbesserung der Methode führen, aufgezeigt.