BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

SCHLITTENHARDT, J. (B 3.11): Atomteststopp-Kontrolle mit satellitengestützten und seismischen Daten: BGR-Aktivitäten im Exzellenznetz GMOSS der EU

Vortrag am Mittwoch, den 7. Mai 2008 um 15.00 Uhr in Raum 204/ Haus II

Die Kontrolle der Einhaltung des Kernwaffenteststoppabkommens (CTBT Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty) mittels genauer Lokalisierungen unterirdischer Kernexplosionen ist eine der wichtigsten Aufgaben der angewandten Seismologie. Die genaue Kenntnis des Ortes eines seismischen Ereignisses stellt ein wichtiges Indiz bei der Unterscheidung zwischen Sprengungen und Erdbeben dar und ermöglicht gezielte Vor-Ort-Inspektionen für weitergehende Untersuchungen. Zur Ergänzung der im CTBT vorgesehenen seismischen Verfahren werden von dem Nationalen Datenzentrum der BGR bei Forschungsarbeiten zur Identifikation und Lokalisierung fraglicher seismischer Ereignisse Methoden der Satellitenbildauswertung eingesetzt. Seit März 2004 sind diese Arbeiten in das Exzellenznetz GMOSS der EC (European Commisson) integriert.

Montage von Ergebnissen der Prozessierung zur Veranschaulichung der Synergien von seismischen und satellitengestützten VerfahrenMontage von Ergebnissen der Prozessierung zur Veranschaulichung der Synergien von seismischen und satellitengestützten Verfahren Quelle: BGR

Als Untersuchungsgebiet wurde die Nevada Test Site (NTS) gewählt, in der die USA bis zum Atomtestmoratorium 1992 über 800 solcher Tests durchführten. Zur Verifikation der Ergebnisse stehen umfangreiche Referenzdaten zur Verfügung, wie etwa Zeit, Ort und Stärke der Explosion, die zur Validierung des Änderungsdetektionsverfahrens mit multispektralen optischen Satellitendaten genutzt werden konnten. Im zweiten Teil des Vortrags wird die Eignung der Differentiellen SAR-Interferometrie (DInSAR) zur Detektion und Charakterisierung unterirdischer Kernexplosionen untersucht. Durch die Analyse mehrerer SAR-Satellitenbilder (ERS 1 & 2) konnten von den Explosionen verursachte Geländedeformationen erkannt werden, die entweder unmittelbar auf die Explosion selbst (co-seismische Deformation) oder mittelbar auf die von der Explosion ausgelösten post-seismischen Prozesse zurückzuführen sind. Als Beispiel für die Synergien von seismischen und satellitengestützten Verfahren bei der Kontrolle der Einhaltung des CTBT wird eine aktuelle Anwendung der Verfahren bei der Untersuchung des Nukleartests in Nordkorea vom Oktober 2006 diskutiert.

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